Vorführung der Pelletieranlage beim Maschinenring Arnstein

Mobile Pelletierungsanlage

Landwirte lassen Pellets als Einstreu und zum Heizen pressen

Seit vier Jahren organisiert der MR Arnstein e.V. – zunächst im eigenen Ringgebiet, dann in ganz Unterfranken – den Einsatz einer mobilen Strohpelletierungsanlage. Landwirte nutzen die Pellets hier als Einstreu und Brennmaterial.

Seit Herbert Krückel auf seinem Bio-Betrieb Legehennen hält, verwendet er Strohpellets zur Einstreu. „Die Saugfähigkeit des Materials und das praktische Handling überzeugen mich“, sagt er. Einmal im Jahr lässt er betriebseigenes Stroh, minderwertiges Heu oder Dinkelspelzen in einer mobilen Anlage pelletieren. Dies wird vom MR Arnstein organisiert.

„Etliche interessierte Mitglieder haben mich vor Jahren auf die Strohpelletierung angesprochen. Mit Franz-Josef Tradt von der Firma Regiopell aus dem baden-württembergischen Wolpertshausen konnten wir hierzu einen kompetenten Auftragnehmer finden. Wir bündeln die Aufträge und dann ist er gut vier Wochen lang bei uns in Unterfranken“, erzählt Gebhard Karch, Geschäftsführer im MR Arnstein e.V..

Wichtig ist es geeignete Standorte für die mobile Strohpelletierungsanlage zu haben. Schließlich hat die Maschine mit einer Länge von über 12 Metern einen enormen Platzbedarf. Aber nicht nur die Anlage sollte auf festem Untergrund stehen, auch für die Anlieferung der zu verarbeitenden Strohballen und für die Absackung der Pellets in BigBags bzw. die Befüllung von Container oder Anhängern muss eine ausreichende Fläche vorhanden sein. Nicht auf jedem Hof sind hierfür die räumlichen Voraussetzungen gegeben. Herbert Krückel hat allerdings Glück, dass sein unmittelbarer Nachbar in Schleerieth die mobile Anlage ebenfalls nutzt und über ausreichend Platz verfügt. Insgesamt vier Standorte an denen die Anlage jeweils mit mindestens 50 Tonnen ausgelastet werden konnte, standen letztlich zur Verfügung. Auch Landwirte mit Kleinmengen von fünf oder zehn Tonnen konnten hier anliefern und pelletieren lassen.

Pellets aus trockenen Halmgütern

Neben Getreidestroh können Rapsstroh, Heu, Spelzen, Miscanthus oder Schilf in der Anlage pelletiert werden. Wichtig ist dabei, dass das Ausgangsmaterial trocken und möglichst vorzerkleinert ist. Dann läuft die Anlage rund. „Es ist es eine große Herausforderung an die Technik die unterschiedlichen Rohstoffe stabil und störungsfrei zu verarbeiten. Mit trockenem, kurz geschnittenem Stroh in Quader- oder Rundballen ist man aber auf der sicheren Seite“, bestätigt Praktiker Krückel. Dann, so erzählt er weiter, kann die Maschine bis zu einer Tonne Material in der Stunde zu Pellets verdichten. Dienstleister Franz-Josef Tradt rechnet mit einer durchschnittlichen Tagesleistung von 10 Tonnen.

Manchmal sei es auch vorteilhaft verschiedene Stroharten zu mischen. „Man kann keine generelle Regel aufstellen, aber bisweilen ist Wintergerstenstroh schwierig zu verarbeiten. Am besten kommt die Anlage dagegen mit Weizenstroh zurecht. Mischt man nun beides, so ist das ganz geschickt“, rät Franz-Josef Tradt.

Praktisches Handling und hohe Saugfähigkeit

Herbert Krückel benötigt für die Einstreu seiner 3.000 Legehennen rund fünf bis sechs BigBags, also knapp fünf Tonnen Pellets. Daheim lagert er das Material in Container, wo er es mittels Schieber einfach entnehmen kann. „Vor der Einstallung verteile ich einen BigBag mit dem Radlader im leeren Stall. Dann kommen die Tiere und ich muss – je nach Jahreszeit – erst nach Wochen wieder einstreuen. Die Handhabung der Pellets ist dabei ungemein praktisch“, berichtet er. Dies rechtfertige den Mehraufwand gegenüber Stroh.

Auch von der Saugfähigkeit des Einstreumaterials ist der Bio-Landwirt begeistert. „Die Pellets können das 400fache ihres Eigengewichts und damit deutlich mehr Feuchtigkeit als Langstroh aufnehmen“, erklärt er. Das wirkt sich positiv auf das Stallklima aus. Durch die hohen Temperaturen bei der Herstellung sinkt zudem die Keim- und Sporenbelastung.

„Viele Pferdebesitzer sind von der Einstreu mit Pellets ebenfalls sehr angetan. Sie berichten von weniger Atemwegserkrankungen und verwenden vor allem Weizen-, Triticale- oder Dinkelstroh“, fügt Gebhard Karch, Geschäftsführer im MR Arnstein an. Zudem sei bei Boxeneinstreu der Verbrauch im Vergleich zu Langstroh deutlich niedriger. Benötige ein Pferd durchschnittlich ca. vier bis fünf Ballen pro Monat, reduziere sich dies bei Einstreu mit Pellets auf etwa eine Tonne. Dazu sollten allerdings verschmutzte Einstreu und Pferdeäpfel regelmäßig entfernt werden

Durchdachter Aufbau der Anlage

Zurück zur modernen Pelletieranlage des Herstellers PCM Green Energy. Diese wird in einem 45 Fuß-Container mit einem speziellen Sattelauflieger durch eine beauftragte Spedition antransportiert. Alle wichtigen Komponenten – die Aufbereitung mit Mischer und Hammermühlen, die Konditionierung, die Pelletierpresse sowie die Vorkühlstrecke mit Austrageband sind integriert. Ein 200 kw Generator, der von einem Dieselaggregat angetrieben wird, sorgt für die Stromversorgung.

Das Stroh wird von oben in den 10 cbm großen Mischer eingebracht, Fremdstoffe wie Steine oder Metall werden abgetrennt. Dann schließen zwei Hammermühlen das Material weiter auf. Im Konditionierer kann optional Wasser zugeführt werden. Schließlich wird das zerkleinerte Gut in der Presse mit einem Druck von ca.600 bar durch eine Ringmatritze gedrückt. Die so gewonnenen Pellets gelangen über ein externes Förder- und Abkühlband am Ende zur Abfüllung. In der Regel werden sie in Big-Bags mit 600 bis 800 kg Inhalt abgesackt.

Unternehmer Franz-Josef Tradt steuert und bedient die Anlage während eine weitere Kraft – in der Regel der Auftraggeber – die Maschine mit Stroh beschickt und die Pellets abtransportiert. Zu beachten ist eine Einfüllhöhe von 3,80 m für den Mischer. Deshalb ist die Arbeit mit einem Teleskoplader sinnvoll. Auch dieses Gerät kann praktischerweise vom Maschinenring mitvermittelt werden.

Für die Herstellung einer Tonne Pellets werden rund 120 €/t netto verrechnet. „Manchmal wird es günstiger, manchmal etwas teurer – je nach Ausgangsmaterial und damit Leistung und je nach Anfahrts- und Rüstzeitkosten“, erläutert Franz-Josef Tradt.

Fütterung und Heizen

Die Kunden sind mit dem Verfahren und vor allem mit ihrem Produkt zufrieden. Viele setzen die Strohpellets wie Landwirt Krückel zur Einstreu bei Geflügel oder auch bei Pferden ein. Darüber hinaus nutzen manche Sauenhalter Strohpellets zur Rohfaserergänzung in der Fütterung. Dies ist insbesondere für Selbstmischer und für Schweinehalter, die flüssig füttern, interessant. „Klar ist, dass hierbei das Stroh qualitativ einwandfrei sein muss“, ergänzt der Betreiber.

Georg Keller aus Eßleben bei Werneck wiederum heizt sein Wohnhaus mit Strohpellets. Vor vier Jahren musste er in eine neue Heizung investieren und hat sich für ein Heizungssystem entschieden, das mit dem erneuerbaren Energieträger gut zurechtkommt. „Ich finde die Idee einfach ansprechend. Als Ackerbauer bin ich nun autark. Und durch die Rückführung der Asche auf das Feld habe ich einen geschlossenen Kreislauf“, argumentiert er. Mit dem Stroh von drei Hektar Getreide, also rund acht Tonnen, deckt er seinen jährlichen Bedarf. Der Landwirt weist jedoch darauf hin, dass Strohpellets andere Brenneigenschaften wie z.B. Holzpellets aufweisen. Deshalb müssen Interessierte sehr darauf achten, dass ihre Feuerung entsprechend ausgelegt ist.

Die Einsatzmöglichkeiten für Strohpellets sind also vielfältig. Gebhard Karch, Geschäftsführer im MR Arnstein, beobachtet bei seinen Mitgliedern eine wachsende Nachfrage für die Verwendung im eigenen Betrieb. „Wurden bei uns anfangs nur XXX t Pellets gepresst, so waren es in diesem Jahr gut 270 Tonnen. Ich bin mir sicher, dass wir diese Marke im nächsten Jahr wieder erreichen und die Zusammenarbeit mit Franz-Josef Tradt fortsetzen“, meint er zusammenfassend.

Veronika Fick-Haas, für KBM e.V., Neuburg, (Oktober 2015)